The Holmes Brothers (from the 1960s to 2016)

USA

Ich habe mit „meinen Bluts-Brüdern” von 1995 bis 2014 gesamt sechzehn Tourneen mit knapp hundertvierzig Konzerten durchführen können und mit dem Tod von Popsy Dixon († 9.1.2015) und Wendell Holmes (†19.6.2015) innerhalb von nur 5 Monaten ist ein unglaublich erfolgreiches Kapitel der schwarzen Soul/Blues/Gospel-Musik zu Ende gegangen. Über 40 Jahre lang fütterten die New Yorker Brüder Sherman und Wendell Holmes und ihr "Adoptiv-Bruder" Popsy Dixon die Seelen ihrer immer noch ständig wachsenden Fangemeinde mit delikatem Rhythm'n'Blues, Soul und Gospel.

Niemand sonst beherrschte in den letzten Jahren die hohe Kunst des dreistimmigen Harmoniegesangs im Stile der 50er und 60er wie die HOLMES BROTHERS. Man fühlte sich gleichsam in die Glanzzeiten der legendären TEMPTATIONS zurückversetzt, wenn diese 3 - zusammen über 200 Jahre auf den Buckel bringenden - Herren ihre Stimmen erhoben und all die Blues-Epigonen zurück auf die Schulbank schickten.

Das Trio hatte schließlich seine Lektionen bei den Besten des Fachs gelernt und tourte in den Anfangsjahren als Backing Band von Chuck Berry, Ines Fox, Curtis Mayfield oder John Lee Hooker durch die Clubs. Aber erst Ende der 80er traten die HOLMES BROTHERS mit ihrem Debütalbum "In The Spirit" selbst ins Rampenlicht und waren seitdem von dort nicht mehr wegzukriegen. In den USA werden sie inzwischen als Nationalheiligtum gefeiert. Sie wurden mit allen einschlägigen Preisen bedacht. U.a. gelang ihnen das bis dato einmalige Kunststück 2005 gleich 6x für den W.C. Handy Award (quasi der Grammy des Blues) nominiert zu werden. (Gewonnen haben sie schließlich in der Hauptkategorie "Blues Band des Jahres").

Weitere Highlights im Zeitraffer: Auftritte bei den Talkshows von David Letterman und Jay Leno, Willie Nelson verpflichtete sie gemeinsam mit Bob Dylan und Keith Richards für seine alljährliche TV-Show, Van Morrison steuerte die lead vocals zu ihrer Version von "That's Where It's At" bei, sie tourten als Band für Joan Osborne, arbeiteten mit Peter Gabriel und spielten im Weißen Haus für Bill Clinton.

Sie waren einzigartige Interpreten der amerikanischen Roots Music. Lebendiger, spontaner und enthusiastischer konnte man traditionellen Blues, Soul und Gospel nirgendwo hören als bei den HOLMES BROTHERS!

CDs:
Brotherhood
Feed My Soul
State Of Grace
Simple Truths
Speaking In Tongues
The Essential Collection
Promised Land
Lotto Land
Soul Street
Where It`s At
Jubilation
In The Spirit

mein Nachruf auf Popsy:

 

„Ready For The Ride”: Willie „Popsy” Dixon 1942-2015

Das Unvorhersehbare ist meist vorhersehbar und bereits bei der ersten Tournee die ich für die unerreichbaren HOLMES BROTHERS 1995 organisieren durfte dachte ich mir: „Hoffentlich überleben die das!”

So zogen die Jahre und Tourneen ins Land, ich selbst bin jetzt so alt wie Willie „Popsy” Dixon bei eben dieser ersten Österreich-Tournee und gesamt durfte ich bei unglaublichen 16 Konzertreisen in 21 Jahren „Popsy”, der es sich immer neben mir am Beifahrersitz bequem einrichtete, nicht nur sehr genau kennen lernen, sondern es entwickelte sich eine Art „Blutsbruderschaft” mit dem heimlichen Star des Kult-Trios. „Pop” schätzte meine Musikauswahl, ich seinen trockenen Humor und dass er mich auf der Autobahn immer wach hielt. So spulten wir gemeinsam wohl an die 60.000 km runter, Sherman und Wendell Gras rauchend auf den Rücksitzen, während im Van zuerst immer das Neueste von ihren Lieblingsmusikern Salif Keita oder Sean Keane lief!

 

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